Die finanzielle Inklusion zeigt einmal wieder ihre hässliche Seite

Die finanzielle Inklusion zeigt einmal wieder ihre hässliche Seite

04.11.2023 – Norbert Häring

3. 11. 2023 | Ich hatte geschrieben, dass man dem Mikrokredit-Guru und „Quacksalber“ Yunus den Friedensnobelpreis aberkennen sollte, weil seine Heilsversprechen nicht eingetroffen sind und eine Mikrokredit-Mafia stattdessen viel Leid über arme Menschen gebracht hat. Ein hochrangiger deutscher Mitarbeiter einer international agierenden Mikrokreditorganisation widersprach mir. Nun hat diese ein Untersuchungsverfahren wegen mutmaßlicher räuberischer Geschäftspraktiken am Hals.

Das Versprechen von Muahammad Yunus und der Mikrokreditlobbyisten lautete, die Armut dadurch zu beseitigen, dass man Menschen die sich selbständig machen wollen, oder die schon ein kleines Geschäft haben, auf nachhaltige Weise kleine Kredite gibt. Nachhaltig bedeutet in diesem Zusammenhang nicht-subventioniert und gewinnträchtig. Später wurde das in Finanzielle Inklusion umbenannt. Das ist ein Begriff, der übrigens gern auch als Tarnbegriff für Bargeldbeseitigung verwendet wird, insbesondere von der in New York ansässigen Better Than Cash Alliance. Diese hat das erklärte Ziel, Bargeld international zurückzudrängen und zählt die Bundesregierung zu ihren Hauptgeldgebern.

Die vollmundig versprochene Beseitigung der Armut auf der Welt trat  nicht ein. Stattdessen bereitete Yunus zusammen mit der Weltbank und anderen den Boden für ein in weiten Teilen mafiöses Geschäftsmodell, bei dem armen Menschen massenhaft Kredite zu hohen Zinsen aufgedrängt wurden, die sie sich nicht leisten konnten.

Die Heiligsprechung des Quacksalbers Muhammad Yunus
1. 03. 2020 | In einem ärgerlichen Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ darf sich Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch als großer Weltverbesserer produzieren. Dabei ist er gemessen an seinen Versprechungen grandios gescheitert und hat mit seiner Idee der Mikrokredite, die er widerstandslos missbrauchen ließ, großes Leid über viele arme Menschen gebracht.

Helmut Pojunke, damals Geschäftsführer des westdeutschen Förderkreises von Oikocredit und heute hochrangiger Mitarbeiter von Oikocredit International, widersprach mir ausführlich, mit Argumenten und Behauptungen, die mich nicht überzeugten, wie man nachlesen kann.

Auch wenn seine Einwände damals ausdrücklich als persönliche Meinung gekennzeichnet waren, nicht als Stellungnahme von Oikocredit, so ist doch bemerkenswert, dass Oikocredit nun in den Niederlanden eine Untersuchung der Aufsichtsbehörde NKS wegen mutmaßlich räuberischer Geschäftspraktiken seiner Partner in Kambodscha am Hals hat.

Ausgangspunkt ist eine Beschwerde verschiedener Entwicklungs- und Menschenrechtsorgansationen von Dezember 2022 über Oikocredit bei der Nationalen Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze bei Finanzierungen an Mikrokreditinstitutionen (NKS) der niederländischen Regierung. Zuvor hatte eine vom deutschen Entwicklungshilfeministerium (BMZ) geförderte Studie das Problem der weitverbreiteten Überschuldung in Kambodscha durch fragwürdige Praktiken von Mikrokreditgebern bestätigt.

Das BMZ ist pikanterweise auch das Ministerium, das die Better Than Cash Alliance mitfinanziert, die unter dem Codewort finanzielle Inklusion genau diese Mikrokredite zur angeblichen Armutsbekämpfung befördert, um Menschen an den formellen Finanzsektor anzuschließen und Bargeld zurückzudrängen. Nachdem die Auswüchse der Mikrokredit-Mafia ab etwa 2011 zunehmend ein größeres Thema wurden, schwenkte die Allianz schönfärberisch um auf die Sprachregelung, dass sie “verantwortliche” Mikrofinanz propagiere.

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von Mai 2022 unter dem vielsagenden (übersetzten) Titel “Das Große Geld hinter winzigen Krediten, die zu Verschuldung, Verzweiflung und sogar Selbstmord führen” bestätigte ebenfalls den Vorwurf weit verbreiteter räuberischer Mikrokreditvergabe in Kambodscha.

Wie die Tageszeitung Junge Welt berichtet, habe die NKS in einem ersten Bericht Oikocredit ein schlechtes Zeugnis ausgestellt, mehr Transparenz über die Auswahl einheimischer Partnerfirmen gefordert und Oicocredit aufgefordert, alle seit 2017 über die in der Kritik stehenden kambodschanischen Partnerfirmen Prasac, LOLC und Amret gemachten Profite in einen Entschädigungsfonds einzubringen. Es geht dabei um überschuldungsbedingte Selbstmorde und erzwungene Landverkäufe.

Oicocredit International hat die Aufnahme einer Untersuchung durch NKS in einer Stellungnahme begrüßt und widerspricht darin den Anschuldigungen – wie ich finde – etwas halbherzig:

“Mikrofinanz hat in Kambodscha für Millionen Menschen positive Wirkung erzielt. Gleichzeitig steht der Sektor vor großen Herausforderungen wie hohen Sättigungsraten, einem großen informellen Sektor nicht regulierter Finanzakteure sowie einer unzureichenden Ahndung von Regulierungsverstößen. Oikocredit beobachtet die Marktentwicklung schon lange aufmerksam und hat früh auf Probleme reagiert. So hat die Genossenschaft beispielsweise Überschuldungsstudien initiiert und finanziert, nationale Kreditvergaberichtlinien entwickelt sowie Maßnahmen zur Institutionalisierung von Kundenschutz mit ihren Partnerorganisationen umgesetzt. Die soziale Wirkung steht für Oikocredit immer an erster Stelle.”

Oikocredit hat am 1. März ein neues Anlagemodell in Deutschland eingeführt. Damit investieren nicht mehr nur Genossenschaftsmitglieder, sondern beliebige Privatpersonen und Organisationen in die internationale Genossenschaft Oikocredit. Ziel soll es nach Selbstauskunft sein “durch die Bereitstellung von Finanzierungen und Unterstützungsleistungen Menschen im Globalen Süden eine positive Entwicklung zu ermöglichen.”

Fazit

Das deutsche Entwicklungshilfeministerium und andere Organisationen sollten angesichts der trotz aller Besserungsversprechen in der Mikrofinanzszene in großem Maßstab angewandten räuberischen Geschäftsmodelle dringend ihre naive Propaganda für die finanzielle Inklusion und ihre Förderung solcher Geschäfte überdenken – und natürlich die Förderung der Better Than Cash Alliance gleich mit. Die wissenschaftlichen “Belege” für Erfolge beziehen sich fast nur auf positive Wirkungen auf Einzelne. Bei Belegen für positive Wirkungen auf gesellschaftlicher Ebene herrscht Ebbe. Das widerspricht sich nicht, weil zum Beispiel ein mit einem Mikrokredit ermöglichter zusätzlicher Marktstand leicht einer anderen  Kleinstunternehmerin Geschäft wegnehmen kann, wenn sich die Nachfrage nicht gleichzeitig ausweitet.

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Wie eine gekaufte UN-Organisation mit Visa und Mastercard an der Abschaffung des Bargelds arbeitet: Teil 2: Finanzielle Inklusion als Vorwand
17. 04. 2016 | Eine Better-Than-Cash Alliance will mit dem von Bill Gates gekauften United Nations Capital Development Fund wie in Teil 1 beschrieben, innovative Bezahlsysteme voranbringen und Bargeld zurückdrängen, angeblich zum Wohle armer Menschen in Entwicklungsländern. Obwohl es in Wahrheit nur um Profite und Überwachung geht, machen Entwicklungshilfeministerien und Förderbanken mit.

Die soziale Maske der Mikrokredit-Mafia rutscht
30. 11. 2015 | Muhammad Yunus und seine Grameen Bank haben den Friedensnobelpreis dafür bekommen, dass sie versprachen, die Armut weltweit zu besiegen, indem sie armen Menschen in armen Ländern Zugang zu Schulden verschaffen. Daraus entstand eine Branche, die ihre leitenden Figuren reich macht und viele in Elend und Überschuldung stürzt. Eine Steuererklärung des großen „gemeinnützigen“ Mikrokredit-Unternehmens FINCA und ein interner Bericht sind verräterisch.

FINCA-Replik auf Deutsch, mit Anmerkungen von mir
Der Mikrokreditgeber FINCA nimmt die Vorwürfe, die ich auf diesem Blog geäußert habe, offenkundig sehr ernst und hat nun auch eine deutsche Übersetzung seiner Erwiderung zur Verfügung gestellt. Am Ende finden Sie dazu zwei Anmerkungen von mir. Meine Kritik erhalte ich aufrecht.

Die finanzielle Inklusion zeigt einmal wieder ihre hässliche Seite

04.11.2023 – Norbert Häring

3. 11. 2023 | Ich hatte geschrieben, dass man dem Mikrokredit-Guru und „Quacksalber“ Yunus den Friedensnobelpreis aberkennen sollte, weil seine Heilsversprechen nicht eingetroffen sind und eine Mikrokredit-Mafia stattdessen viel Leid über arme Menschen gebracht hat. Ein hochrangiger deutscher Mitarbeiter einer international agierenden Mikrokreditorganisation widersprach mir. Nun hat diese ein Untersuchungsverfahren wegen mutmaßlicher räuberischer Geschäftspraktiken am Hals.

Das Versprechen von Muahammad Yunus und der Mikrokreditlobbyisten lautete, die Armut dadurch zu beseitigen, dass man Menschen die sich selbständig machen wollen, oder die schon ein kleines Geschäft haben, auf nachhaltige Weise kleine Kredite gibt. Nachhaltig bedeutet in diesem Zusammenhang nicht-subventioniert und gewinnträchtig. Später wurde das in Finanzielle Inklusion umbenannt. Das ist ein Begriff, der übrigens gern auch als Tarnbegriff für Bargeldbeseitigung verwendet wird, insbesondere von der in New York ansässigen Better Than Cash Alliance. Diese hat das erklärte Ziel, Bargeld international zurückzudrängen und zählt die Bundesregierung zu ihren Hauptgeldgebern.

Die vollmundig versprochene Beseitigung der Armut auf der Welt trat  nicht ein. Stattdessen bereitete Yunus zusammen mit der Weltbank und anderen den Boden für ein in weiten Teilen mafiöses Geschäftsmodell, bei dem armen Menschen massenhaft Kredite zu hohen Zinsen aufgedrängt wurden, die sie sich nicht leisten konnten.

Die Heiligsprechung des Quacksalbers Muhammad Yunus
1. 03. 2020 | In einem ärgerlichen Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ darf sich Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch als großer Weltverbesserer produzieren. Dabei ist er gemessen an seinen Versprechungen grandios gescheitert und hat mit seiner Idee der Mikrokredite, die er widerstandslos missbrauchen ließ, großes Leid über viele arme Menschen gebracht.

Helmut Pojunke, damals Geschäftsführer des westdeutschen Förderkreises von Oikocredit und heute hochrangiger Mitarbeiter von Oikocredit International, widersprach mir ausführlich, mit Argumenten und Behauptungen, die mich nicht überzeugten, wie man nachlesen kann.

Auch wenn seine Einwände damals ausdrücklich als persönliche Meinung gekennzeichnet waren, nicht als Stellungnahme von Oikocredit, so ist doch bemerkenswert, dass Oikocredit nun in den Niederlanden eine Untersuchung der Aufsichtsbehörde NKS wegen mutmaßlich räuberischer Geschäftspraktiken seiner Partner in Kambodscha am Hals hat.

Ausgangspunkt ist eine Beschwerde verschiedener Entwicklungs- und Menschenrechtsorgansationen von Dezember 2022 über Oikocredit bei der Nationalen Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze bei Finanzierungen an Mikrokreditinstitutionen (NKS) der niederländischen Regierung. Zuvor hatte eine vom deutschen Entwicklungshilfeministerium (BMZ) geförderte Studie das Problem der weitverbreiteten Überschuldung in Kambodscha durch fragwürdige Praktiken von Mikrokreditgebern bestätigt.

Das BMZ ist pikanterweise auch das Ministerium, das die Better Than Cash Alliance mitfinanziert, die unter dem Codewort finanzielle Inklusion genau diese Mikrokredite zur angeblichen Armutsbekämpfung befördert, um Menschen an den formellen Finanzsektor anzuschließen und Bargeld zurückzudrängen. Nachdem die Auswüchse der Mikrokredit-Mafia ab etwa 2011 zunehmend ein größeres Thema wurden, schwenkte die Allianz schönfärberisch um auf die Sprachregelung, dass sie “verantwortliche” Mikrofinanz propagiere.

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von Mai 2022 unter dem vielsagenden (übersetzten) Titel “Das Große Geld hinter winzigen Krediten, die zu Verschuldung, Verzweiflung und sogar Selbstmord führen” bestätigte ebenfalls den Vorwurf weit verbreiteter räuberischer Mikrokreditvergabe in Kambodscha.

Wie die Tageszeitung Junge Welt berichtet, habe die NKS in einem ersten Bericht Oikocredit ein schlechtes Zeugnis ausgestellt, mehr Transparenz über die Auswahl einheimischer Partnerfirmen gefordert und Oicocredit aufgefordert, alle seit 2017 über die in der Kritik stehenden kambodschanischen Partnerfirmen Prasac, LOLC und Amret gemachten Profite in einen Entschädigungsfonds einzubringen. Es geht dabei um überschuldungsbedingte Selbstmorde und erzwungene Landverkäufe.

Oicocredit International hat die Aufnahme einer Untersuchung durch NKS in einer Stellungnahme begrüßt und widerspricht darin den Anschuldigungen – wie ich finde – etwas halbherzig:

“Mikrofinanz hat in Kambodscha für Millionen Menschen positive Wirkung erzielt. Gleichzeitig steht der Sektor vor großen Herausforderungen wie hohen Sättigungsraten, einem großen informellen Sektor nicht regulierter Finanzakteure sowie einer unzureichenden Ahndung von Regulierungsverstößen. Oikocredit beobachtet die Marktentwicklung schon lange aufmerksam und hat früh auf Probleme reagiert. So hat die Genossenschaft beispielsweise Überschuldungsstudien initiiert und finanziert, nationale Kreditvergaberichtlinien entwickelt sowie Maßnahmen zur Institutionalisierung von Kundenschutz mit ihren Partnerorganisationen umgesetzt. Die soziale Wirkung steht für Oikocredit immer an erster Stelle.”

Oikocredit hat am 1. März ein neues Anlagemodell in Deutschland eingeführt. Damit investieren nicht mehr nur Genossenschaftsmitglieder, sondern beliebige Privatpersonen und Organisationen in die internationale Genossenschaft Oikocredit. Ziel soll es nach Selbstauskunft sein “durch die Bereitstellung von Finanzierungen und Unterstützungsleistungen Menschen im Globalen Süden eine positive Entwicklung zu ermöglichen.”

Fazit

Das deutsche Entwicklungshilfeministerium und andere Organisationen sollten angesichts der trotz aller Besserungsversprechen in der Mikrofinanzszene in großem Maßstab angewandten räuberischen Geschäftsmodelle dringend ihre naive Propaganda für die finanzielle Inklusion und ihre Förderung solcher Geschäfte überdenken – und natürlich die Förderung der Better Than Cash Alliance gleich mit. Die wissenschaftlichen “Belege” für Erfolge beziehen sich fast nur auf positive Wirkungen auf Einzelne. Bei Belegen für positive Wirkungen auf gesellschaftlicher Ebene herrscht Ebbe. Das widerspricht sich nicht, weil zum Beispiel ein mit einem Mikrokredit ermöglichter zusätzlicher Marktstand leicht einer anderen  Kleinstunternehmerin Geschäft wegnehmen kann, wenn sich die Nachfrage nicht gleichzeitig ausweitet.

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17. 04. 2016 | Eine Better-Than-Cash Alliance will mit dem von Bill Gates gekauften United Nations Capital Development Fund wie in Teil 1 beschrieben, innovative Bezahlsysteme voranbringen und Bargeld zurückdrängen, angeblich zum Wohle armer Menschen in Entwicklungsländern. Obwohl es in Wahrheit nur um Profite und Überwachung geht, machen Entwicklungshilfeministerien und Förderbanken mit.

Die soziale Maske der Mikrokredit-Mafia rutscht
30. 11. 2015 | Muhammad Yunus und seine Grameen Bank haben den Friedensnobelpreis dafür bekommen, dass sie versprachen, die Armut weltweit zu besiegen, indem sie armen Menschen in armen Ländern Zugang zu Schulden verschaffen. Daraus entstand eine Branche, die ihre leitenden Figuren reich macht und viele in Elend und Überschuldung stürzt. Eine Steuererklärung des großen „gemeinnützigen“ Mikrokredit-Unternehmens FINCA und ein interner Bericht sind verräterisch.

FINCA-Replik auf Deutsch, mit Anmerkungen von mir
Der Mikrokreditgeber FINCA nimmt die Vorwürfe, die ich auf diesem Blog geäußert habe, offenkundig sehr ernst und hat nun auch eine deutsche Übersetzung seiner Erwiderung zur Verfügung gestellt. Am Ende finden Sie dazu zwei Anmerkungen von mir. Meine Kritik erhalte ich aufrecht.

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